Interview mit Ernährungsprofis

Gütersloh, 27.05.2009.

Fit im Sommer: „Verbieten Sie sich nichts!

Sommer-Tief? Nicht mit uns! Das BeNet Lokal macht Sie fit für die aktuelle Jahreszeit. In unserer losen Reihe „Fit im Sommer“ geben Ihnen in der nächsten Zeit nämlich ausgewählte Experten aus den Gütersloher Bertelsmann-Unternehmen Anregungen für einen gesunden Lebensstil – denn niemand kann sich besser in Ihre Lebensgewohnheiten hineinversetzen als Kolleginnen und Kollegen.Den Anfang unserer Reihe macht heute das Thema Ernährung. Das BeNet Lokal sprach hierfür mit Thomas Brosig, Betriebsrestaurantleiter im Corporate Center, und Berit Peters, Oecotrophologin bei Cultina. Sie hat beispielsweise die neue Menülinie „Vital in Balance“ konzipiert. In einem Doppel-Interview verraten die beiden, ob das Essen in einer Großküche überhaupt gesund sein kann, ob gesunde Ernährung Verzicht bedeutet – und wie man reagieren sollte, wenn nachmittags der Heißhunger auf einen Schokoriegel beginnt.BeNet: Frau Peters, Herr Brosig – die meisten Bertelsmann-Mitarbeiter dürften fünfmal die Woche Essen aus einer Großküche zu sich nehmen. Kann das überhaupt gesund sein?Thomas Brosig: Selbstverständlich. Ich würde sogar soweit gehen und sagen: Das kann gesünder sein als das Essen zu Hause. Wir achten hier extrem auf eine schonende Zubereitung unserer Speisen, bieten eine reichhaltige Auswahl. Wer zu hause dagegen häufig Fertigprodukte verwendet  …

Berit Peters: … ernährt sich tatsächlich nicht so gesund, wie er hier im Betriebsrestaurant könnte. Eine vollwertige Ernährung zeichnet sich nämlich schon per Definition dadurch aus, dass sie abwechslungsreich, vielseitig und ausgewogen ist. Und in unseren Betriebsrestaurants bieten wir den Gästen all das: Durch unser Komponentensystem kann sich jeder seine gesunde Ernährung selbst zusammenstellen: Gemüse, Obst, Getreideprodukte, mageres Fleisch, Fisch – alles da.

Was sind denn die größten Fehler, die beim Essen generell gemacht werden?

Berit Peters: Das lässt sich leicht zusammenfassen: Es wird zu viel und zu fett gegessen. Wir essen oft mehr, als wir verbrauchen.

Computerarbeitsplätze erhöhen die Gefahr von Übergewicht

BeNet: Dies geschieht vermutlich sehr schnell, gerade wenn man den sonst den ganzen Tag nur im Büro sitzt…

Berit Peters: Computerarbeitsplätze erhöhen tatsächlich die Gefahr von Übergewicht. Diese Gefahr besteht allerdings nicht nur im Büro, sondern auch bei der Lagerarbeit oder Produktion. Ob im Büro oder bei körperlich anstrengender Arbeit – es gilt immer: Der persönliche Energie- und Nährstoffbedarf muss durch die Tageskost gedeckt werden. Und der liegt für Frauen, pauschal gesagt, bei 1.900 Kalorien, und für Männer  bei 2.400 Kalorien. Gerade im Büro ist deshalb eine fettarme Ernährung wichtig. Das hat außerdem den Vorteil, dass sie den Stoffwechsel nicht belastet und nicht so müde macht.

BeNet: Das heißt also: Ich soll Obst und Gemüse essen …

Berit Peters: Zum Beispiel. Aber auch Vollkorngetreideprodukte oder Kartoffeln. Sogenannte „nährstoffdichte Lebensmittel“ eben, die sowohl einen niedrigen Energiegehalt haben als auch viele wichtige Nährstoffe enthalten. Ideal sind 650 Gramm Gemüse und Obst täglich.

BeNet: Klingt gut – in der Theorie. Aber dann lacht mich jeden Tag aufs Neue das leckere Cultina-Schnitzel an …

Berit Peters: Nun, eine ausgewogene Ernährung bedeutet nicht, dass Sie auf das panierte Schnitzel verzichten müssen. Sie sollten es eben nur nicht jeden Tag essen. Wenn Sie es essen, dann eben mit einer fettarmen Beilage und viel Gemüse sowie vielleicht etwas Obst als Nachtisch.

Thomas Brosig: Das ist ja übrigens auch einer der Vorteile unseres Komponentensystems in den Cultina-Betriebsrestaurants. Unser Anspruch ist es, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern täglich Produkte in Top-Qualität und mit Top-Geschmack zu liefern. Wie Sie sich diese Produkte jedoch zusammenstellen, bleibt vollkommen Ihnen überlassen. Eine ausgewogene Ernährung zeichnet sich ja gerade durch die Abwechslung aus – und dafür kann bei uns jeder Gast selbst sorgen, er kann sich die Komponenten einer gesunden Ernährung selbst auf den Teller laden. Natürlich ist es nicht gesund, wenn Sie tatsächlich jeden Tag das Schnitzel essen. Aber wir bieten ja auch zweimal die Woche ein Fischgericht an, es gibt seit kurzem „Vital in Balance“ – die Auswahl ist groß und unsere Tischgäste schließlich erwachsen.

In Anlehnung an die Nährstoff-Empfehlungen der DGE zubereitet

BeNet: Stichwort „Vital in Balance“. Was genau hat es hiermit auf sich?

Thomas Brosig: Das ist unsere neue Menülinie, bei der wir nährstoffreiche und fettarme Kost anbieten. Alle Gerichte unter diesem Label sind in Anlehnung an die Nährstoff-Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zubereitet und enthalten beispielsweise weitgehend keine deklarationspflichtigen Zusatzstoffe. Außerdem können Sie bei jedem Gericht genau erfahren, wie viele Kalorien eine Mahlzeit enthält, wie viel Gramm Kohlenhydrate, Fett und Eiweiß.

BeNet: Aber die anderen Mahlzeiten bei Cultina sind damit ja nicht per se ungesund …

Thomas Brosig: Natürlich nicht. Ob eine Speise gesund ist, ist ja auch ganz entscheidend abhängig von der jeweiligen Art der Zubereitung. Und hier tun wir wirklich einiges – vermutlich oft sogar mehr, als es der jeweilige Mitarbeiter zuhause kann.

BeNet: Beispielsweise?

Thomas Brosig: Viele Lebensmittel – wie Gemüse – werden bei uns durch Dampfgaren „gekocht“, so bleiben nämlich die meisten Nährstoffe erhalten. Außerdem achten wir auf fettarme Zubereitung mit gesundheitsförderlichen Fettsäuren wie pflanzlichen Ölen – Pommes Frites werden bei uns zum Beispiel nur mit  Rapsöl zubereitet. Auch die Menge an Zusatzstoffen, die in manchen Fertigsoßen und Fertiggerichten eingesetzt werden, ist bereits auf ein Minimum gesunken, und wir arbeiten stetig daran, dies weiter zu reduzieren. Bald werden beispielsweise alle Soßen, die wir anbieten, frei von Zusatzstoffen sein.

BeNet: Gibt es denn irgendwelche Vorgaben, an die ich mich bei meiner Essensauswahl halten sollte?

Berit Peters: Die DGE empfiehlt generell dreimal Gemüse und zweimal Obst am Tag, reichlich Getreide- und täglich fettarme Milchprodukte. Darüber hinaus sollte man ein- oder zweimal in der Woche Fisch essen und generell wenig Fett zu sich nehmen. Fleisch, Wurst und Eier sollten in Maßen konsumiert werden – aber es besteht überhaupt kein Anlass, komplett darauf zu verzichten.

BeNet: Vielleicht können wir das einmal beispielhaft an einem Tag durchgehen. Was sollte ich morgens, mittags, abends und zwischendurch zu mir nehmen, wenn ich mich ausgewogen ernähren möchte?

Berit Peters: Morgens empfiehlt es sich, Vollkornprodukte zu essen. Sie enthalten Kohlenhydrate, Ballast- und Mineralstoffe für einen stabilen Blutzuckerspiegel und sorgen somit für Energie und Konzentration. Dazu wäre ein fettarmes Milchprodukt und Obst ideal.

Thomas Brosig: Genau darum bieten wir beispielsweise jeden Morgen auch Quark und Müsli mit Obst an.

Berit Peters: Richtig. Im Prinzip kann hier jeder Mitarbeiter die DGE-Empfehlungen wirklich umsetzen. Mittags sollte man ganz einfach Fisch-, Fleisch- und vegetarische Gerichte in einem vernünftigen Wechsel essen. Dazu reichlich Gemüse als Salat oder Beilage und als Nachtisch entweder Obst oder einen Joghurt. Je nachdem, was tagsüber so gegessen wurde, beendet man den Tag abends am besten fettarm mit Brot und Aufstrich oder einer warmen Mahlzeit aus Gemüse, Fisch oder magerem Fleisch.

„Vielleicht tut es auch ein Stück Obstkuchen“

BeNet: Und zwischendurch? Wie sollte ich reagieren, wenn ich nachmittags Heißhunger auf einen Schokoriegel bekomme? Einfach verzichten?

Berit Peters: Nicht unbedingt. Generell gilt: Legen Sie sich nie Verbote auf. Da wird der Heißhunger nur noch größer. Vielleicht muss es aber kein fettiger Schokoriegel sein, vielleicht tut es auch ein Stück Obstkuchen, Weingummi, ein Schaumkuss oder ein Müsliriegel. Vielleicht reicht ja sogar ein fettarm belegtes Brot. Abzuraten ist von Sahnetorte oder Plunderteilchen.

BeNet: Was tun Sie, die Ernährungsberaterin, denn in einem solchen Fall?

Berit Peters: Ich habe auch manchmal Lust auf etwas Ungesundes, keine Frage. Und ich kann es ja verraten: In meiner Schreibtischschublade lagern immer einige Gummibärchen (lacht).

BeNet: So eine Schublade werde ich mir auch einmal zulegen. Was sind denn die Gefahren einer falschen Ernährung?

Berit Peters: Es gibt Studien, die belegen, dass 65 Prozent der Männer und 55 Prozent der Frauen in Deutschland übergewichtig sind – und das ist tatsächlich eine alarmierende Zahl, wenn man sich anschaut, was für Folgen Übergewicht haben kann. Es erhöht sich nämlich nicht nur das Risiko, an Diabetes zu erkranken, sondern auch an Herz-Kreislauf-Krankheiten und sogar bestimmten Krebsarten wie zum Beispiel Dickdarmkrebs.

Umso wichtiger, dass man sich nicht nur im Büro, sondern generell gesund ernährt. Worauf sollte ich denn gerade auch zu Hause achten?

Berit Peters: Im Prinzip auf das gleiche wie hier auch: Essen Sie viel Gemüse und Obst, ernähren Sie sich vielseitig und meiden Sie Fettfallen oder Frustessen. Dazu kommen natürlich Dinge, die Sie generell tun sollten – wie beispielsweise Sport zu treiben. Bewegung erhöht den Kalorienumsatz und dämpft nicht zuletzt auch das Hungergefühl, und wer sich viel bewegt, isst auch gesünder. Der Körper weiß instinktiv, was gut für einen ist.

BeNet: Damit sprechen Sie es selbst an: Ist gesunde Ernährung alleine ausreichend, um gesund zu leben?

Berit Peters: Ernährung ist sicherlich nicht alles, das wäre vermessen. Aber ich denke, man kann guten Gewissens sagen, ausgewogene Ernährung ist ein extrem wichtiger Baustein für ein gesundes Leben.